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EUDR-Wissen

Warum TRACES Ihre GeoJSON-Datei ablehnt: die 16 Fehler und ihre Lösung

TRACES nimmt Geodaten nur als GeoJSON in WGS84 an, mit Längengrad vor Breitengrad, geschlossenen Polygonen ohne Löcher und höchstens 25 MB pro Sorgfaltserklärung. Fast jede Ablehnung lässt sich einem der 16 Fehler zuordnen, die die Kommission in ihrer Dateibeschreibung (Stand 17. August 2026) aufzählt. Hier steht jeder davon mit der Reparatur.

Stand: 4. November 2026 · keine Rechtsberatung

Was TRACES erwartet

Die EUDR verlangt für jede Fläche, auf der Ihr Holz gewachsen ist, Breiten- und Längengrad mit mindestens sechs Dezimalstellen (Art. 2 Nr. 28 der Verordnung (EU) 2023/1115). Flächen über 4 Hektar brauchen ein Polygon, bis 4 Hektar genügt ein Punkt. Das Informationssystem TRACES setzt das technisch so um:

  • Format GeoJSON, Koordinatensystem WGS84, jede Koordinate in der Reihenfolge [Längengrad, Breitengrad].
  • Höchstens 25 MB Geodaten pro Sorgfaltserklärung. Längere Koordinaten werden auf sechs Dezimalstellen gekürzt.
  • Optionale Eigenschaften pro Fläche: ProducerName, ProducerCountry (ISO-Code mit zwei Buchstaben), ProductionPlace und bei Punkten Area in Hektar. Fehlt Area bei einem Punkt, nimmt TRACES 4 Hektar an.

Ein Beispiel, das durchgeht

Eine Einschlagsfläche in Ostkalimantan als Polygon und eine kleine Fläche desselben Lieferanten als Punkt. So sieht eine Datei aus, die TRACES ohne Rückfrage annimmt:

{
  "type": "FeatureCollection",
  "features": [
    {
      "type": "Feature",
      "properties": {
        "ProducerName": "PT Contoh Hutan Lestari",
        "ProducerCountry": "ID",
        "ProductionPlace": "Blok 12, Kalimantan Timur"
      },
      "geometry": {
        "type": "Polygon",
        "coordinates": [[
          [116.512345, -1.245678],
          [116.523456, -1.246789],
          [116.524567, -1.235432],
          [116.511234, -1.234321],
          [116.512345, -1.245678]
        ]]
      }
    },
    {
      "type": "Feature",
      "properties": {
        "ProducerName": "PT Contoh Hutan Lestari",
        "ProducerCountry": "ID",
        "ProductionPlace": "Blok 7",
        "Area": 3.2
      },
      "geometry": {
        "type": "Point",
        "coordinates": [116.498765, -1.251234]
      }
    }
  ]
}

Drei Details, an denen es sonst scheitert:

  • Der erste und der letzte Punkt des Polygons sind identisch. Erst dadurch ist der Ring geschlossen.
  • 116.512345 ist der Längengrad, -1.245678 der Breitengrad. Wer die Reihenfolge aus Google Maps übernimmt (Breitengrad zuerst), vertauscht sie.
  • "Area": 3.2 ist eine Zahl ohne Anführungszeichen. Als Text ("3.2") wird die Fläche zu 0.

Zu den Nachkommastellen: Viele Programme schreiben 110.706300 als 110.7063, weil Nullen am Ende in JSON keine Bedeutung haben. Das ist kein Fehler. Entscheidend ist, dass der Wert ursprünglich mit sechs Stellen erfasst wurde. Eine Koordinate, die schon beim Lieferanten nur vier Stellen hatte, wird durch angehängte Nullen nicht genauer. Sechs Stellen entsprechen am Äquator rund 11 Zentimetern, vier Stellen rund 11 Metern.

Die 16 Fehler aus der Liste der Kommission

Die Nummern folgen der Dateibeschreibung der Kommission. Wir haben verwandte Fehler zusammengefasst, weil sie dieselbe Reparatur haben.

Linien, die sich kreuzen, falten oder nur eine Gerade bilden (1, 2, 6)

Fehler 1, Achterform: Die Randpunkte wurden in falscher Reihenfolge geklickt, die Grenze kreuzt sich selbst. Fehler 2, Falten: Die Linie läuft auf sich selbst zurück, etwa als spitzer Zacken. Fehler 6, Gerade: Alle Punkte liegen auf einer Linie, das Polygon hat keine Fläche. Das passiert, wenn jemand drei Punkte entlang eines Weges aufgenommen hat.

Lösung: In QGIS das Werkzeug „Geometrien reparieren“ (Fix geometries) laufen lassen und das Ergebnis auf der Karte ansehen. Eine Acht wird dabei in zwei Teile zerlegt, ein Zacken verschwindet. Bei einer Geraden hilft keine Software: Fordern Sie die echte Grenze an. Ist die Fläche kleiner als 4 Hektar, genügt ein Punkt mit Area.

Löcher im Polygon (3 und 15)

Ein Konzessionsgebiet mit ausgesparter Siedlung oder Schutzzone wird oft als Polygon mit innerem Ring gezeichnet. TRACES lehnt solche „Donuts“ ab, die Kommission führt den Fall gleich zweimal auf. Ihre empfohlene Lösung: die Fläche quer durch das Loch in zwei Hälften schneiden, sodass zwei Polygone ohne Loch entstehen. Ist das Loch nur ein Digitalisierungsfehler, entfernen Sie es mit „Löcher löschen“ (Delete holes).

Offene Ringe und falsche Geometrietypen (4, 5)

Fehler 4: Der letzte Punkt ist nicht gleich dem ersten. Kopieren Sie den ersten Punkt ans Ende. Fehler 5: Die Grenze kommt als LineString, typischerweise weil sie in Google Earth als „Pfad“ statt als „Polygon“ gezeichnet wurde. In QGIS wandelt „Linien zu Polygonen“ (Lines to polygons) sie um. Erlaubt sind Punkte und Polygone.

Doppelte Punkte nach dem Runden (7)

GPS-Geräte, die beim langsamen Abgehen jede Sekunde einen Punkt speichern, erzeugen Punkte, die weniger als 10 Zentimeter auseinanderliegen. Nach dem Kürzen auf sechs Dezimalstellen sind sie identisch. Runden Sie zuerst auf sechs Stellen und entfernen Sie dann doppelte Stützpunkte („Doppelte Stützpunkte entfernen“, Remove duplicate vertices).

Datei und Format (8, 10, 13)

Fehler 8, Syntax: Meist von Hand bearbeitete Dateien: ein Komma zu viel vor einer schließenden Klammer, einfache statt doppelte Anführungszeichen, eine fehlende Klammer. Lässt sich die Datei nicht in QGIS öffnen, ist sie kaputt. Fehler 10, falsches Format: Eine PDF-Karte oder eine .txt-Datei mit Koordinaten ist kein GeoJSON, auch wenn sie so heißt. Fehler 13, Passwortschutz: Lassen Sie sich die Datei ohne Passwort schicken.

Eigenschaften (9, 12, 14)

Fehler 9: Die Namen der Eigenschaften müssen exakt stimmen, auch in der Groß- und Kleinschreibung. productionplace oder Production Place zählen nicht als ProductionPlace. Fehler 12: ProducerCountry braucht den ISO-Code mit zwei Buchstaben: ID für Indonesien, nicht IDN oder „Indonesia“. Fehler 14: "Area": "3" als Text ergibt Fläche 0. Legen Sie das Feld in QGIS als Dezimalzahl an, dann schreibt der Export eine Zahl.

Koordinaten außerhalb des Wertebereichs (11)

Breitengrade liegen zwischen -90 und 90, Längengrade zwischen -180 und 180. Ein „Breitengrad“ von 116 bedeutet, dass die Spalten vertauscht sind. Werte wie 523456.12 sind Meter in einem projizierten System (in Indonesien oft UTM). Solche Daten müssen erst nach EPSG:4326 (WGS84) umprojiziert werden. Vorsicht bei vertauschten Werten, die zufällig im Bereich liegen: Ein Punkt in Kamerun landet dann in Nigeria, ohne dass TRACES meckert. Sehen Sie sich jede Datei einmal auf einer Karte an.

Datei zu groß (16)

Über 25 MB kommt man fast nur mit GPS-Spuren, die tausende Punkte entlang gerader Grenzen enthalten. Die Lösung der Kommission: weniger Punkte auf geraden Abschnitten, und Punkte statt Polygonen für Flächen unter 4 Hektar. In QGIS reduziert „Vereinfachen“ (Simplify) mit einer kleinen Toleranz die Punktzahl, ohne die Form sichtbar zu verändern. Prüfen Sie danach die Gültigkeit erneut.

Reparatur in QGIS: die Reihenfolge, die funktioniert

  1. Datei öffnen und das Koordinatensystem der Ebene prüfen. Ist es nicht EPSG:4326, umprojizieren.
  2. Linien in Polygone umwandeln, falls nötig.
  3. „Geometrien reparieren“ ausführen, danach Löcher entfernen oder die Fläche teilen.
  4. Doppelte Stützpunkte entfernen und bei großen Dateien vereinfachen.
  5. „Geometrie überprüfen“ (Check validity) laufen lassen. Das Ergebnis muss null ungültige Objekte zeigen.
  6. In der Attributtabelle die Felder exakt benennen, ProducerCountry mit zwei Buchstaben füllen, Area als Dezimalzahl.
  7. Exportieren über „Objekte speichern als“: Format GeoJSON, KBS EPSG:4326, Ebenenoption COORDINATE_PRECISION auf 6.

Von Google Earth (KML) zu GeoJSON

Viele Lieferanten zeichnen ihre Flächen in Google Earth Pro und schicken eine KML- oder KMZ-Datei. TRACES nimmt KML nicht an. Öffnen Sie die Datei in QGIS und exportieren Sie sie wie oben beschrieben. KML speichert Koordinaten ebenfalls als Längengrad vor Breitengrad, hier wird also nichts vertauscht. KML enthält aber oft einen Höhenwert als dritte Zahl. TRACES braucht ihn nicht, entfernen Sie ihn mit „Z/M-Werte entfernen“ (Drop M/Z values).

Von Excel zu CSV zu GeoJSON

Excel-Listen mit einer Zeile pro Fläche funktionieren für Punkte, nicht für Polygone. Die häufigsten Stolpersteine:

  • Dezimalkomma: In deutschem Excel steht -1,245678. Exportieren Sie als „CSV UTF-8“ und geben Sie beim Import das Komma als Dezimaltrennzeichen an, oder stellen Sie vorher auf Punkt um.
  • Grad, Minuten, Sekunden (1°14'44"S) müssen in Dezimalgrad umgerechnet werden. Süd und West werden negativ.
  • Anzeige ist nicht Inhalt: Eine Zelle kann sechs Stellen anzeigen, obwohl nur vier eingetippt wurden. Prüfen Sie den echten Wert in der Bearbeitungsleiste.

In QGIS laden Sie die CSV über „Getrennte Textdatei“, wählen Längengrad als X, Breitengrad als Y und EPSG:4326, und exportieren als GeoJSON. Für Flächen über 4 Hektar brauchen Sie trotzdem eine Polygondatei vom Lieferanten.

Was Sie beim Lieferanten anfordern

Die meisten Fehler entstehen beim Lieferanten. Eine klare Anfrage spart zwei Runden Rückfragen:

  • Die Fläche, auf der das Holz dieser Lieferung eingeschlagen wurde, nicht die Adresse des Sägewerks.
  • Flächen über 4 Hektar als Polygon, kleinere als Punkt mit Fläche in Hektar.
  • GeoJSON, KML oder Shapefile, in WGS84, mit sechs Dezimalstellen. Keine PDF-Karte, kein Foto, kein Passwort.
  • Pro Fläche Erzeugername, Land und Ortsbezeichnung.

Eine gültige Datei ist noch kein Nachweis

TRACES prüft, ob die Datei technisch stimmt, nicht, ob auf der Fläche nach dem 31. Dezember 2020 Wald gerodet wurde. Dafür brauchen Sie Satellitendaten, etwa Whisp der FAO oder Global Forest Watch.

Ob Ihre Datei durch TRACES kommt, sehen Sie vorher mit der kostenlosen Flächenprüfung von Plotref, die Datei verlässt dabei Ihren Browser nicht.

Prüfen Sie die Datei Ihres Lieferanten, bevor TRACES sie ablehnt.

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